Vorbildliche soziale Projekte zu besuchen ist eine lohnenswerte Aufgabe. Nun war eine gemeinsame Delegation von GRÜNEN im LVR, LWL und Landtag NRW zu Gast bei “proviel” in Wuppertal. Die Werkstatt für Menschen mit psychischer Behinderung bemüht sich intensiv um eine gute, berufsfeldorientierte Teilhabe am Arbeitsleben und um einen kontinuierlichen Wechsel auf den regulären Arbeitsmarkt.
Bei einem Rundgang durch das eindrucksvolle Firmengelände konnten sich alle einen Eindruck vom Angebotsspektrum verschaffen, u.a. mit Elektromontagen, Wäscherei und einer Metallverarbeitung, die eines mittelständischen Unternehmens würdig wäre. Aber es wurden auch kritische Fragen gestellt: Warum es trotz aller Bemühungen nur rund 1% der Werkstattmitarbeiter*innen jährlich in den regulären Arbeitsmarkt schaffen, wollte Martina Hoffmann-Badache (LVR-Fraktion) wissen. Warum proviel kein Inklusionsunternehmen sei, wo Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammenarbeiten, fragte Dennis Sonne (MdL) nach.
Die Antworten darauf sind so komplex, wie die bei proviel arbeitenden Menschen, die insbesondere psychische Beeinträchtigungen haben. Viele von ihnen hätten auch bei Inklusionsunternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nur geringe Chancen. “Und die allermeisten sind glücklich bei uns, empfinden proviel als aktuell sehr passenden Ort für ihr Arbeitsleben und als guten Schutzraum”, erklärte dessen Geschäftsführer Christoph Nieder. Gleichzeitig würden alle Werkstattmitarbeiter:innen über das Inklusionsteam regelmäßig über die Möglichkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt informiert. Trotz intensiven Coachings würden jedoch einige Kandidaten und Kandidatinnen für den Wechsel am Ende zurückschrecken, z.B. aus Angst vor Überforderung oder aufgrund von “Schauergeschichten”, die andere erzählen.
Letztlich müsse man jede einzelne Person für sich betrachten und individuell fördern. “Für manche ist schon das pünktliche Erscheinen mit drei Stunden Arbeit am Tag ein Erfolg, z.B. wenn jemand unter einer Phobie leidet und sich kaum aus dem Haus wagt”, so Nieder. proviel versuche weder zu unter- noch zu überfordern.
Insgesamt zog die Delegation, der auch die LWL-Fraktionsvorsitzende Karen Haltaufderheide-Übelgünn und LVR-Fraktionsmitglied Ilona Schäfer angehörten, ein positives Fazit. Die personenzentrierte Wertschätzung der individuellen Wünsche der Beschäftigten hat sie sehr beeindruckt. Die grundsätzliche Frage, wie Werkstätten als Orte der Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben Bestandteil eines inklusiven Arbeitsmarktes werden können, wird sie weiterhin beschäftigen.
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